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Das Eidersperrwerk in Tönning

"Ihr sollt mich nicht vertreiben schrie Hauke Haien und bohrte seine Hacken fest in den Klei."

Dieses Zitat aus Theodor Storm`s Schimmelreiter spiegelt wohl, wie kein anderer Text den Kampf der Friesen gegen den "blanken Hans", die Naturgewalten der Nordsee wieder. Was mit Verbindungsdämmem von Warften begann, entwickelte sich bis heute zu einer durchgehenden Festlandsdeichlinie von etwa 300 km Länge. Ein Teil dieses Sturmflutschutzes ist die 1973 fertiggestellte Eiderabdämmung mit dem Eidersperrwerk. Das Eider-Sperrwerk mit seine fünf, jeweils 40 m breiten Sielöffnungen, wurde von 1968 bis 1973 im Mündungstrichter der Eider, etwa 15 km unterhalb von Tönning, errichtet. Es stellt neben dem Sturmflutschutz auch die Vorflut und die Schifffahrt auf der Eider sicher.

Das Eidersperrwerk in Zahlen und Fakten:

Das heute wohl augenfälligste Bauwerk ist das Sielbauwerk. Es besitzt 5 Öffnungen mit jeweils 40 m lichter Durchflußweite. Diese Öffnungen werden durch Pfeiler begrenzt und durch Spannbetonträger überbrückt. Diese Träger, auch Wehrträger genannt, nehmen die äußeren Kräfte aus den Sielverschlüssen auf und leiten sie in die Widerlager der Pfeiler. Sie haben eine Länge von jeweils 42,80 m und sind von elliptischem Querschnitt. Im Inneren sind die Wehrträger als Straßentunnel ausgebaut. Als Sielverschlüsse sind stählerne Segmenttore eingebaut worden, die sich drehbar gelagert auf die Wehrträger abstützen. Sie wurden sektionsweise auf dem Wasserweg angeliefert und erst auf der Baustelle montiert und konserviert. Der Antrieb dieser 250 t schweren Bauteile, die eine Staufläche von 400 m2 besitzen, erfolgt ölhydraulisch. Das Heben und Senken ist in vier Geschwindigkeitsstufen zwischen 0,22 und 0,66 m/min möglich.

Die Sohle des Siels besteht aus einer 0,80 m dicken Stahlbetonplatte. Die im Vorfeld durchgeführten Modellversuche ergaben, daß daran eine mindestens 150 m lange starre Sohlensicherung anschließen muss. Der Aufbau hat einer maximale Strömungsgeschwindigkeit von 5 m/s standzuhalten. Um diese zu erreichen, wurde als Baumaterial schwedisches Granitgestein gewählt. Die auf dem Seeweg antransportierten Blöcke hatten ein Einzelgewicht von bis zu 5 t. Sie wurden auf der Baustelle mittels hydraulischer Spaltgeräte auf die nötige Einbaugröße zerkleinert. Die Blöcke wurden auf einem abgestuften Kornfilter (Nylongewebe - 10 cm Grant 15/30 - 20 cm Grant 60/90) durch Hydraulikbagger dicht an dicht verlegt. Dabei mußten die Fugen so Eng gehalten werden, daß die Körnung 60 mm nicht ausgewaschen werden konnte. Für den sicheren Übergang der starren Sohle in den freien Seeboden wurde eine bis zu 30 m breite flexible Sohle vorgesehen. Diese sollte das Bauwerk und die starre Sohle gegen rücklaufende Kolke schützen.

Für den Schiffsverkehr ist nördlich des Siels eine Schiffahrtsschleuse angeordnet. Die schlanke Trogkonstruktion aus Stahlbeton ist biegesteif ausgebildet und hat eine nutzbare Kammerlänge von 75 m bei 14 m Breite. Die schiffbaren Wasserstände liegen zwischen NN -2,5 m und NN +3,5 m. Die Schleuse ist mit fünf stählernen Stemmtorpaaren ausgerüstet, von denen drei gegen Flut und zwei gegen Ebbe gerichtet sind. Die beiden Fluttorpaare im Außenhaupt bieten die doppelte Deichsicherheit. Über die Schleuse wird die Landesstraße mit einer Waagebalken-Klappbrücke geführt. Ihre Öffnungs- und Schließzeit beträgt 120 Sekunden. Die Vorhäfen der Schleuse dienen nicht nur den auf Schleusung wartenden Schiffen als Liegeplätze, sondern auch den Schiffen der Tönninger Fischereiflotte als Liege- und Arbeitshafen.

Mit den Arbeiten für den Eiderdamm-Nord wurde gleichzeitig mit den Beton- und Stahlarbeiten am Sperrwerk begonnen. Hierdurch konnte das Aushubmaterial der Baugruben zum Schütten der ersten Teilstrecke verwendet werden. Überwiegeng wurde das Material jedoch im Grundsaugverfahren aus 25 bis 30 m Tiefe gefördert. Unter NN +5,00 m wurde der Dammkörper im Spül-, oberhalb NN +5,00 m im Trockenverfahren erstellt. Der seeseitige, scharliegende Deichfuß ist mit 20.000 t vermörtelten Schüttsteinen gesichert. Als letztes Bauwerk wurde der Eiderdamm-Süd gebaut. Hierbei galt es, das technische Problem des Verbaus des Purrenstrom zu lösen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt das Sperrwerk betriebsbereit war, nahmen weiterhin ca. 80% der Durchflußmenge ihren Weg durch diesen Priel. Als Lösung wurde ein besonderes Verfahren gewählt. Zwei Pfahlwände im Abstand von 16 m und einem Lochanteil von 20% in den stählernen Verbautafeln bildeten einen Befüllungskörper. In diesen wurde mittels Spülrohren Spülsand eingebracht. Durch die gewählte Konstruktion wurde die Strömunggeschwindigkeit zwischen den Wänden so veringert, daß sich das Sandmaterial kontinuierlich absetzen konnte. Bei einer stündlichen Förderleistung von ungefähr 1000 m3 wurde im Sommer 1972 die letzte Lücke bis zur MThw-Linie in nur 6 Wochen geschlossen. Die Restarbeiten am Eiderdamm-Süd nahmen nur noch wenig Zeit in Anspruch, so daß im Herbst 1972 der Mündungstrichter endgültig abgeriegelt werden konnte. Das Sperrwerk hat seither seine Qualität in über 60 zum Teil sehr schweren Sturmfluten unter Beweis gestellt, mehr als tausendfach die Vorflutregulierung erleichtert und die Schiffahrt auf der Eider in unverändertem Umfang ermöglicht.

Verwendete Baumaterialien: | 48.000 m3 Beton | 7.000 m3 Spannbeton | 6.000 t Beton- und Spannstahl | 15.800 lfd. m Stahlpfähle | 18.000 m2 Spundwände | 95.000 t Felsbruchstein |


Das Multimar Wattforum in Tönning

Wissenschaft wird zur praktischen Grundlage für Naturschutz, wenn sie erklärt, warum Salzwiesen für seltene Insekten wichtig sind, wie Seehundsbänke geschützt und die Nahrungsgrundlagen für Millionen Zugvögel gesichert werden können. Das Multimar Wattforum will zeigen, wie die sibirische Ringelgans, der Seehund und der Schweinswal, aber auch die Surferin, der Krabbenfischer und der Badegast das Leben im Einklang mit der Wattenmeer-Natur genießen können.

Ein einzigartiges Naturerlebnis! Beginnend mit dem flachen Gezeitenbecken tauchen Sie bei einer Wanderung entlang der Becken immer tiefer in die verschiedenen Lebensräume unserer einheimischen Meeresbewohner ein. Insgesamt gibt es im Multimar Wattforum 12 Großaquarien mit einem Gesamtwasservolumen von 150 Kubikmetern, sowie 17 Sonderaquarien zur Darstellung kleinerer Tiere.

Im Januar 2003 wurde das Multimar Wattforum um eine 600 qm große Walausstellung erweitert. Die neue Dauerausstellung "Wale, Watt und Weltmeere" lässt den Besucher in die Welt der Wale eintauchen. Hier erfährt er alles über den Schweinswal, den einzigen im Nationalpark Wattenmeer heimischen Wal des Nordatlantik, und seine großen Verwandten in den Weltmeeren. Hauptattraktion ist das 17,5 m lange Skelett eines 1997 gestrandeten Pottwals.

Das Multimar Wattforum ist ganzjährig täglich
(außer 24. Dezember) geöffnet:
1. April bis 31. Oktober: 9.00 - 19.00 Uhr
1. November bis 31. März: 10.00 - 17.00 Uhr
Am Robbenberg; 25832 Tönning
Fon 04861 / 9620 - 0; Fax 04861 / 9620 - 10
info@multimar-wattforum.de

 

 

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